Kompetente Fachberatung
25 Jahre Zuchterfahrung
Herstellung in Deutschland

Amano-Garnele - Zucht & Aufzucht

Amanogarnelen-vermehren2

Der Grund für die erschwerte Aufzucht ist, dass die Larven der Amano-Garnele den Lebenszyklus in Süßwasser nicht abschließen. Die jungen Garnelen (Larven) benötigen Salzwasser, um sich zu entwickeln, und werden dann wieder zu Süßwassergarnelen. Die Zucht von Amanogarnelen ist daher etwas kompliziert und aufwändig, wird durch diesen Umstand allerdings für Aquarianer zu einer spannenden Herausforderung.

In freier Wildbahn leben Amano-Garnelen an der Küste, wo ihre Larven (oder Zoae) freigesetzt und ins Meer geschwemmt werden. Die Amano-Garnele lebt in der Region Yamuto und dort in Flüssen, die in den Pazifischen Ozean münden, da die frisch geschlüpften Larven zur Entwicklung ins Meer gespült werden müssen. Denn die Amano-Garnele ist für die Fortpflanzung auf Seewasser angewiesen. Erst, wenn die Laven eine Länge von mindestens einem Zentimeter erreicht haben wandern Sie die Bäche wieder hinauf in das Süßwasser. Im Meer ernähren sie sich von Algen und Plankton, bis sie sich nach etwa 40 bis 50 Tagen in junge Amano-Garnelen zu verwandeln. Nach dieser Zeit und mit einer Größe von mindestens 1 cm wandern sie dann stromaufwärts zurück in Süßwasser.  Wenn Sie also Amano-Garnelen zu Hause züchten möchten, müssen Sie diesen gesamten Prozess für die Tiere soweit es geht simulieren. Ehrlich gesagt ist es eine Menge Arbeit, aber zumindest haben Amano-Garnelen eine viel längere Lebensdauer als bei jeder anderen Garnele. 

Zucht von Amano-Garnelen unter aquaristischen Bedingungen

Der große Unterschied zwischen Amano-Garnelen und anderen Zwerggarnelen ist ihr Brutzyklus. Wie bei anderen Naocaridna- oder auch Caridinaarten werden durch die Weibchen weiblichen Pheromone in das Wasser abgegeben. Der „Duft“ zieht männliche Garnelen an und sie versuchen ein Weibchen zu finden und sich mit diese zu paaren. Eine erfolgreiche Begattung erkennt man dann daran, dass in den Gonaden, den Keimdrüsen, über dem Magen die Eipakete angelegt werden. Die ist als dunkler Fleck (Eifleck) im oberen Kopfbereich zu erkennen. Nach einigen Stunden entwickelt sich die Eimasse zu befruchteten Eiern, die nach der nächsten Häutung in den äußeren Brutraum, der sich im Bereich der Schwimmfüße befindet, abgegeben werden. Dort werden sie jetzt vom Muttertier ausgiebig geputzt und im Süßwasser entlassen.

Und Hier hören die Ähnlichkeiten dann aber auch schon auf. Die weitere Entwicklung der Larven und die Aufzucht läuft hier gänzlich anders ab.

Der erste Unterschied liegt daran, dass Amano-Garnelen je nach Größe und Alter des Weibchens eine beachtliche Menge mit Hunderten oder sogar Tausenden von Eiern tragen. Im Gegensatz dazu trage andere Caridina- und Neocaridina Garnelen im Allgemeinen 20–55 Eier haben. Die Inkubationszeit der Eier beträgt 4 bis 5 Wochen. Dann gibt das Weibchen die Eier frei. Hier kommt der zweite große Unterschied ins Spiel.  Caridina multidentata gehört zum ursprünglichen (primitive) Fortpflanzungstyp, das heißt die entlassenen Larven benötigen zur weiteren Entwicklung Meerwasser, in dem sie verschiedene Larven Entwicklungsstufen, die sogenannten Zoea-Stadien, durchlaufen.

Amano-Garnele-Futter

"Zum primitiven Fortpflanzungstyp gehören Garnelenarten die nach entlassen von der Mutter planktisch leben und nach einiger Zeit zum benetischen Leben übergehen. Das heißt, sie wandeln sich vom im Wasser schwebenden Larvenstadium, in dem sie kopfüber durchs Wasser treiben, zum Bodenorientiertem um und können nach vier bis sechs Wochen am Boden krabbeln und fressen. Dies ist unabhängig davon, ob sich die planktisch (frei schwebend) lebenden Larven im reinen Süßwasser oder im Meerwasser weiterentwickeln. Zu diesem Fortpflanzungstyp zählen Arten wie Amano-, Nashorn- oder Glasgarnelen. Viele Arten des primitiven Fortpflanzungstyps, bis auf einige Macrobrachien Arten, benötigen Meerwasser zur weiteren Aufzucht."

Insgesamt durchlaufen die Larven der Amano-Garnele in vier bis fünf Wochen neun Entwicklungsstadien. In der Natur werden – je nach Größe des Weibchens – circa 400 bis 2000 Larven im Süßwasser entlassen. Diese werden dann Richtung Meer geschwemmt, wo sie sich dann weiter entwickeln. Da auf dem Weg dorthin Fressfeinde und andere Gefahren auf die Larven lauern, ist vermutlich deswegen die Anzahl der entlassenen Larven so groß.

Equipment zur Amanozucht

Haben Sie bereits alles für einen Zuchtversuch der Amano-Garnele zu Hause? Hier haben wir eine Checkliste zusammengestellt was alles für eine Aufzucht der Larven benötigt wird.

  1. Aquarium zur Aufzucht mindestens 50 Liter
  2. Kleins 10 Liter Aquarium oder einen ähnlichen Behälter zur kurzfristigen Ausquartierung des Weibchen
  3. Beleuchtung für das größere Aquarium
  4. Memranbumpe mit Sprudelstein
  5. Meersalz
  6. Refraktometer
  7. Pipette oder Spritze
  8. Futter zur Aufzucht: Aqua-Tropica Nannoclaropsis Phytoplankton alternativ Hobby Liquizell Phytoplankton, Crusta-Natural Spirulina-Pulver 

Aufzuchtaquarium für Amano-Larven vorbereiten

Das Wichtigste zuerst – Das Aufzuchtaquarium. In der Regel reicht hier ein 50 Liter Aquarium. Die optimale Wassertemperatur zur Aufzucht der Amano-Larven sollt 21–24 °C betragen. Das Becken sollte ohne Bodengrund und mit einem Sprudelstein, der nur ganz leicht sprudeln darf, eingerichtet werden. Wenn dieser zu stark sprudelt, werden die Larven zu stark durchgewirbelt, ständig gegen die Scheiben getrieben und verletzt – was zu hohen Verlusten führt. Aus diesem Grund sollte auch das Licht ständig angeschaltet bleiben damit sie nicht im Dunkeln die Orientierung verlieren. Ein weiterer Grund warum das Licht ständig brennen sollte ist, das sich Algenwachstum einstellt.

Amano-Garnele-Futter


"Das Aufzuchtaquarium darf nicht frisch eingerichtet und dann gleich zur Zucht verwendet werden. Das Aquarium sollte mindestens zwei bis drei Wochen vorher aufgestellt werden, um das Algenwachstum zu fördern. Am besten direkt vor einem Fenster um ein natürliches Algenwachstum zu fördern. Wird das nicht gemacht haben infolgedessen die Algen beziehungsweise die Algenblüte keine Zeit zum Wachsen und Larven sterben aufgrund von Nahrungsmangel. Eine Zufütterung muss dennoch zusätzlich erfolgen. Ein eingelaufenens Becken erleichtert die Aufzucht enorm."

Der nächste Schritt ist das Hinzufügen von Meersalz. Es gibt viele sogenannte Meersalze auf dem Markt, bei denen es sich überhaupt nicht um Meersalz handelt. Wir selber haben immer Tropic Marine classic oder BLAU aquaristic Meersalz verwendet. In den natürlichen Gebiet der Amano-Garnelen liegt der Salzgehalt im Meerwasser zwischen 32 und 38 mg pro Liter. Dieser sollte auch im Aquarium so eingestellt werden. In den meisten Fällen benötigt man, auch durch Erfahrungen anderer Züchter, 32–35 mg pro Liter für die Amano-Larven. Höhere (mehr als 40g/l) oder niedrigere (weniger als 25g/l) Salzgehalte töten die Larven. Zum Messen des Salzgehaltes benötigen Sie noch einen sogenannten ein Refraktometer. Ohne diesen kann der Salzgehalt nicht exakt bestimmt werden.

Jetzt ist das Aquarium für die Larven bereit.

Entlassung der Larve

Amano-Garnele-Eier-Augen Amano-Garnele-Eier-Lave-Mikroskop

Sobald man die Augen der entwickelnden Embryonen durch die Eierschalen sehen kann, schlüpfen die Larven innerhalb weniger Tage. Spätestens jetzt sollte das Weibchen umgesetzt werden.

Nehmen Sie das Weibchen ab dem Zeitpunkt an dem man die Augen der entwickelnden Embryonen durch die Eierschalen sehen kann aus dem Zuchtaquarium und setzen Sie es in ein 10 Liter Aquarium um. Nehmen Sie hierzu beim Umsetzen das Aquariumwasser aus dem Hauptaquarium damit das Umsetzen durch abweichende Wasserwerte nicht zu stressig wird und dadurch gegebenenfalls die Eier noch abgestoßen werden. Das Eiertragende Weibchen darf auch niemals direkt in das vorbereitete Salzwasseraquarium gesetzt werden. Das Salzwasser schadet zwar den erwachsenen Garnelen nicht, der Punkt ist aber, dass das Salz die Eier abtötet. Das Weibchen wird innerhalb der nächsten Tage beginnen die Larven zu entlassen. Siehe hier auch Video unten. Setzen Sie nach Entlassen der Larven die weibliche Amano-Garnele nach dem Schlüpfen der Larven wieder in das Zuchtaquarium zurück um zu vermeiden, dass sie ihre eigenen Jungen frisst. Das Weibchen häutet sich und beginnt relativ schnell mit der Produktion weiterer Eier.

Möchten Sie kein extra Aquarium zum Umsetzen des Weibchens aufstellen, können Sie das Weibchen natürlich auch im Zuchtaquarium lassen. Auch kann es vorkommen, dass die Weibchen, wie im unten stehende Video zu sehen, die Larven im Zuchtbecken freigeben. Allerdings ist es dann in beiden Fällen schwieriger alle Larven aus dem Zuchtaquarium zu bekommen. Wichtig: In beiden Fällen müssen die Larven binnen 48h aus dem Süßwasser genommen und in das Brackwasseraquarium überführt werden. Ansonsten sterben die Larven ab.

Wie fängt man nun die winzigen Larven aus dem Zuchtaquarium heraus?

Ein raus fangen mit dem Kescher sollte vermieden werden da die winzigen Larven hier nur verletzt werden. Licht zieht Amano-Larven an. Locken Sie die Amano-Larven, wie im Video, mit einer Taschenlampe oder einer verstellbaren Spot-Schreibtischlampe bei ausgeschalteter Beleuchtung an einen Punkt in die Ecke des Aquarium. Verwenden Sie dann einen Becher oder einer Pipette oder eine Spritze um die winzigen Amano-Larven einzusaugen. Auch ein Absaugen mit einem dünne Schlauch von 4-6 mm ist möglich. Setzen Sie die Larven dann vorsichtig in das 10 Liter Süßwasseraquarium ein. Auch hier das Wasser aus dem Zuchtaquarium verwenden.

Umsetzen der Larven

Beim Umsetzen dürfen die Larven nun nicht einfach in das bereitstehende Salzwasseraquarium „geschmissen“ werden. Auch hier müssen die Larven schonend, genau wie beim Neueinsetzen nach Zukauf von Garnelen in ein Aquarium, an die Wasserparamter zusätzlich dem Salzwasser angepasst werden. 

Methode 1: Man salzt das kleine 10 Liter Süßwasseraquarium in dem sich nun die Larven befinden sollen, viertelstündlich mit aus dem eingefahrenen Meerwasseraquarium entnommenem Wasser auf, bis der Salzgehalt im Süßwasseraquarium in dem sich die Larven befinden, dem Salzgehalt des eingefahrenen Meerwasseraquarium liegt. Regelmäßig mit dem Refraktometer messen.

Methode 2: Man nimmt das kleine 10 Liter Süßwasseraquarium in dem sich die Larven befinden und man setzt das kleine Aquarium langsam in das größere Salzwasseraquarium, sodass sich Süß- und Meerwasser langsam vermischen.

Aufzucht von Amano-Larven in Salzwasser

Tage 1–20 nach Umsetzen der Larven

In den ersten Wochen schwimmen die Larven mit dem Kopf nach unten. Sie sind fast transparent und kaum sichtbar. Die kleinen Larven benötigen zum Wachsen und Entwickeln viel Futter. Die kleinen Baby-Garnelen müssen ab dem 3. Tag alle 5 Stunden in regelmäßigen Abständen fressen. Vorher haben sie noch einen Dottersack von dem sie sich ernähren. Mit Phytoplankton und in Wasser verrührtem Spirulinapulver im Wechsel hatten wir bisher die besten Erfolge.

  1. Aqua-Tropica Nannoclaropsis Phytoplankton
  2. Hobby Liquizell Phytoplankton
  3. Crusta-Natural Spirulina-Pulver (gemischt mit Wasser)

  

Haut-Garnelenlarve-Aqua-Tropica

Die frisch entlassenen Larven häuten sich nach zwei Tagen zum ersten mal, siehe Bild links. Nach der ersten Häutung sind sind die verlängerten Greifbeine zu erkennen. Jetzt kann die Zufütterung beginnen. Da die Larven ständig und schnell wachsen, braucht man alle paar Tage eine neue geeignete Futtergröße. Anfangs sollten die Larven mit flüssigem Plankton (Liquizell), später mit pulverförmigen Plankton (Mikrozell, von Hobby, dohse-Aquaristik) und mit 100 %igem Spirulinapulver vermischt mit Wasser zu einer Suspension gefüttert werden. Ab einer Größe von 5 mm kann mit frisch geschlüpften Artemia-Naupilen sowie mit feinem Flockenfutter zugefüttert werden. Füttern Sie nach dem 3. Tag alle 2 Tage je nach Aquariengröße 10–20 Tropfen Phytoplankton hinzu. Das Wasser sollte immer etwas grünlich sein. Aber seien Sie vorsichtig, überfüttern Sie sie nicht! Die Larven brauchen keinen Überfluss an Plankton oder ein grünes Wasser mit Algen und Phytoplankton. Wenn Sie aufgrund von Phytoplankton kaum die gegenüberliegende Seite des Aquariums sehen können, ist es besser, einen kleinen Wasserwechsel mit aufbereitetem Salzwasser vorzunehmen. Ab Tag fünf kann im Wechsel immer mal wieder Spirulinapulver zugefüttert werden.

Tage 21–30 die Larven entwickeln sich langsam

Mittlerweile kann man  eine leichte Umwandlung feststellen und man sieht die eine oder andere Larve die sich kurzzeitig schon wie eine richtige Garnele bewegt. Ab dem 30. Tag kann der Salzgehalt langsam auf 15 bis 25 mg/l gesenkt werden Wechseln Sie einfach das Wasser und fügen Sie etwas Süßwasser hinzu. Von der Fütterung wie gewohnt weiterhin Füttern. Ab einer Größe von 5 mm kann mit frisch geschlüpften Artemia-Naupilen zugefüttert werden. Im Video 28 und 35 Tage alte Amanolarven im Vergleich.

Tage 40–45

Achten Sie auf die Larven. In diesem Stadium können Amano-Garnelenlarven die Umwandlung (Metamorphose) in tatsächliche Amano-Garnelen abschließen. Von diesem Moment an sind sie winzige Kopien von erwachsenen Garnelen mit 1,0 – 1,5 cm. Dies bedeutet, dass sie erhöhte Salzgehalte non nicht mehr benötigen und bereits sind in Ihr Hauptaquarium zu gehen. In der Natur versuchen sie ab diesem Zeitpunkt aus dem Salzwasser stromaufwärts ins Süßwasser zu schwimmen/krabbeln. Tipp: Machen Sie keine plötzlichen Übergänge von Brackwasser zu Süßwasser. Ersetzen Sie die Hälfte des Brackwassers 1 Tag lang durch Ihr Aquarienwasser. Lassen Sie sie sich ein wenig an die neuen Wasserbedingungen gewöhnen. Lassen Sie danach das Wasser in der Schüssel bis zum Boden ab. So wird es einfacher, sie in das Hauptaquarium zu setzen.  

Fazit

Wie sie sehen ist die Zucht nicht einfach und mit doch etwas größerem Aufwand versehen. Die meisten Aquarianer werden sicher niemals versuchen die Amano-Garnele nach zu züchten. Es sei denn, sie tun dies als persönliche Herausforderung, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, oder aus Neugier. Andererseits unterstütz man mit den Nachzuchten die Arterhaltung in der Freien Natur da die meisten im Handel erhältlichen Amano-Garnelen noch Wildfänge sind. Indem Sie Amano-Garnelen versuchen zu züchten, können sie also einen größeren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Versuchen Sie es doch einfach einmal. Mehr wie klappen kann es nicht.

Habt Ihr Fragen dazu? Dann schreibt dies unten in das Kommentar. Wir Antworten darauf so schnell wie möglich.

Euer Michael Wolfinger und Dr. Shrimp

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Passende Artikel